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Ostschweizer Billardclub

News aus dem Taglatt vom 24.09.2010

David Plattner

Der Meister der Bälle


«Man spielt vor allem gegen die Bälle, die Situation und sich
selber», sagt David Plattner. Bild: Reto Martin

Billard. 1986 erhielt der inzwischen verstorbene Paul Newman einen Oscar für seine Rolle im
Film «Colour of Money». Newman verkörperte einen Poolbillard-Spieler. Dieser Film, der in
Europa einen Billard-Boom auslöste, hat David Plattner inspiriert. Der damals 18jährige St.
Galler entwickelte eine Leidenschaft für den Sport, die er auch heute noch in sich trägt. Vor
kurzem errang er seinen grössten internationalen Erfolg: Plattner wurde Senioren-
Europameister im 8-Ball.

Plattner ist aber nicht nur ein Billard-Spieler, er ist bisweilen auch Billard-Philosoph. Er weiss viel
über seinen Sport, benützt beim Erklären äusserer Einflüsse auf das Spiel immer wieder
Metaphern. Er sagt aber auch, dass Billard harte Arbeit und vor allem auch ein Sport sei, bei
dem der mentale Aspekt ungemein wichtig sei: «Man spielt nur indirekt gegen den Gegner. In
erster Linie spielt man gegen die Bälle, die Situation und gegen sich selber. » Gerade an der EM
konnte Plattner seine mentale Stärke ausspielen: «Ich bin ein sehr konzentrierter Mensch und
kann gut mit Druck umgehen.»

Kenner aller Disziplinen

Mit dem Gewinn des EM-Titels ist Plattner im holländischen Leende ein Coup gelungen. Denn
seine ersten Erfolge liegen einige Zeit zurück. Bereits vor 20 Jahren gewann er in
verschiedenen Disziplinen Titel auf nationaler Ebene. Er beherrscht sowohl Trickstösse als auch
Varianten, in denen es vor allem um das Lochspiel geht. «Ich kenne und mag alle Disziplinen.
Und was man bei der einen können muss, kann ja auch in einer anderen eingesetzt werden.»
Zuletzt gewann Plattner vor allem nationale Titel mit der Mannschaft, dem Ostschweizer Billard
Club. «Mit unserem Team wurden wir in den vergangenen zehn Jahren dreimal Erste, dreimal
Zweite und dreimal Dritte.»

Sein Training hält sich derzeit aber in Grenzen. «Als junger Spieler habe ich bis zu vierzig
Stunden pro Woche trainiert. Vor der EM habe ich es immerhin geschafft, mich an zwei
Stunden pro Tag vorzubereiten.» Dass er nicht mehr so viel in sein eigenes Spiel investieren
kann, liegt auch daran, dass er mittlerweile Billard-Lektionen erteilt. «Ich will mein Wissen
weitergeben», sagt der 42-Jährige, der früher Deutsch und Englisch unterrichtet hat. Dazu
bietet er in Rorschach auch Hobbyspielern Trainings an.

Pokal statt Oscar
Plattners Traum ist es, vom Billard leben zu können. Dafür müsste er aber auswandern. Der
Boom, der von Newman ausgelöst wurde, ist mittlerweile abgeklungen. In der Schweiz gibt es
knapp 300 lizenzierte Spieler – Plattner gehört zu den Besten. Und statt eines Oscars gehört
nun immerhin ein grosser, silberner Pokal zu seiner Trophäensammlung.

News aus dem Tagblatt vom 24.06.2010

Einer fehlt: An der Schweizer Teammeisterschaft im Billard spielt nebst Patrick (l.) und Guglielmo Mennillo, Roger Bruderer und David Plattner auch Gianni Campagnolo um den Titel. Bild: Leonie Müller

Bericht aus dem Tagblatt vom 24. Juni 2010, Text: Leonie Müller

RORSCHACH. Nebst einem Ort für Plausch-Billard ist die Billard Bar Sorrento das Stammlokal des Ostschweizer Billard Clubs (OBC). Auch dieses Jahr konnten sich einige Mitglieder für die Finalturniere der Schweizer Meisterschaft qualifizieren.
Konzentriert und ruhig stehen die Spieler in der Billard Bar Sorrento an der Löwenstrasse 57 an den Billardtischen – in der Hand den Queue und im Kopf ihren Spielzug. «Das ist die höchste Kunst im Billard. Sich immer nur auf den aktuellen Stoss zu konzentrieren», erklärt OBC-Trainer David Plattner. Er ist einer der fünf Clubmitglieder, die diesen Sonntag am Finalturnier der Schweizer Teammeisterschaft in Zürich antreten werden.

Gemeinsam mit Plattner spielen der Präsident des OBC Guglielmo Mennillo, sein jüngerer Bruder Patrick Mennillo, Gianni Campagnolo und Roger Bruderer.

Achtmal Edelmetall
Der OBC hat 22 Mitglieder und gehört seit seiner Gründung vor über zehn Jahren an Mannschafts-Wettkämpfen zu den Erfolgreichsten der Schweiz.

Bisher holte der Club an der Schweizer Teammeisterschaft dreimal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze und nahm mehrmals an der Europameisterschaft teil. Obwohl es eine Teammeisterschaft ist, bereite sich jeder selber auf das Turnier vor, sagt Trainer Plattner. «Manchmal kommt es mir vor, als ob wir uns einmal im Jahr treffen, um Schweizer Meister zu werden», sagt er lachend. Am Ende spiele es keine Rolle, ob man zusammen trainiert habe. Jeder einzelne müsse gut spielen und in Form sein.

Die Mischung macht's
Die Clubmitglieder trainieren durchschnittlich zwei- bis dreimal die Woche eineinhalb bis drei Stunden. «Seit ein paar Wochen übe ich aber fast täglich, um mich auf das Turnier vorzubereiten», sagt Plattner. Zu oft spielen dürfe er aber auch nicht, um nicht den Spass am Billard zu verlieren und ausgeruht ans Turnier gehen zu können. Es sei immer wieder schwierig, die optimale Mischung zwischen ausgeruht und eingespielt zu finden.

Er und sein Kollege Gianni Campagnolo haben sich nicht nur für das Finalturnier der Schweizer Teammeisterschaft qualifiziert, sondern auch für die Finalturniere mehrerer Einzeldisziplinen, die am Freitag und Samstag ausgetragen werden.

Jeder Stoss sollte sitzen
«Um zu trainieren, spielt man gegeneinander oder versucht, einzelne Stösse zu perfektionieren, in dem man Situationen aus früheren Spielen nachstellt», erklärt Präsident Guglielmo Mennillo.
Bericht aus dem Tagblatt vom 24. Juni 2010, Text: Leonie Müller

«Ziel sollte es sein, dass jeder Stoss sitzt und die weisse Kugel genau das macht, was man sich im Kopf zurechtlegt.» Das A und O sei jedoch die mentale Vorbereitung. Aber auch da müsse jeder seinen eigenen Weg finden. Schliesslich sollte man durch mentales Training die Nervosität so abbauen können, das sie einen nicht an einem guten Spiel hindert.

Ausdauer ist wichtig
Der 29jährige Guglielmo und sein 27jähriger Bruder spielen Billard seit ihrem siebten Lebensjahr. «Dieser Sport hat mich davon abgehalten, einfach auf der Strasse herumzuhängen und irgendwelche Dummheiten zu machen. Ich hatte ein Ziel vor Augen», sagt Guglielmo. Um ein guter Spieler zu werden, müsse man Selbstdisziplin, einen starken Willen, Kampfgeist und eine gute Kondition haben, weiss er. Körperliche Fitness sei ein wichtiger Bestandteil, den viele unterschätzen würden.

An Turnieren spiele man teilweise von neun Uhr morgens bis acht Uhr abends oder sogar bis Mitternacht, da brauche man Ausdauer.

Gewinnen ist nicht alles
Auch der 42jährige Plattner spielt schon lange Billard. Mittlerweile seit mehr als 20 Jahren. Nach einem Kurs in Amerika 1989 bei einem der besten Profi-Trainer begann er selber zu unterrichten.

Auf die Meisterschaft freut er sich, aufgrund der früheren Erfolge sei der Erwartungsdruck aber ziemlich hoch. Ziel sei der Meistertitel, aber mit den Jahren habe er gelernt, dass Gewinnen nicht das Wichtigste ist. «Es gab Phasen, in denen ich nur dann Freude am Spielen hatte, wenn ich gewann.» Heute habe er zuerst Freude am Spiel und vielleicht komme dann der Sieg dazu.

«Billard ist wie die Liebe: Du liebst das Spiel, und es kann sein, dass es dich auch liebt oder eben nicht.»